Freie Trauung und das perfekte Patchwork-Chaos

Nina Grüner • 22. Januar 2026
                                Manchmal sind es nicht zwei Menschen, sondern ein ganzes Familiensystem, das "Ja" sagt.

Wie lässt sich das miteinander vereinen?

Bei einer freien Trauung denken wir zunächst ganz traditionell an zwei Menschen, die aus tiefem Herzen „Ja“ zueinander sagen und ihren gemeinsamen Lebensweg mit einer persönlichen Trauzeremonie ebnen möchten.

Die Planungszeit wird nicht selten von zahlreichen Glücks- und Freudenmomenten, als auch von vielen neuen Fragestellungen sowie weitreichenden Gedanken begleitet.

Eine nervenaufreibende Zeit voller Vorfreude beginnt.

Wie nervenaufreibend ist es jedoch, wenn nicht nur zwei Menschen, sondern gleich ein ganzes Familiensystem, sprich eine Patchwork-Familie, heiratet!?

Zwei Menschen mit eigener Vergangenheit – eigenen Kindern sowie oftmals unterschiedlichen Lebensrealitäten - treffen aufeinander, verlieben sich, nehmen sich an und gründen gemeinsam eine Familie.

Es geht nicht um eine Art „Ersatzfamilie“, sondern um die bewusste Entscheidung füreinander – mit allem, was dazugehört.

Jedes Familienmitglied muss zunächst seinen individuellen Platz innerhalb des neuen Familienmodells finden. 


Wie lässt sich dieses System also, in dem so viele Menschen zu Wort kommen möchten, mit einer freien Trauung vereinbaren?

Ist da Chaos nicht gleich vorprogrammiert?

Chaos, Herz und Hochzeitspläne

Vielleicht steht ihr gerade vor genau dieser Frage.

Ihr seid verlobt – eventuell nicht erst seit gestern – wünscht euch von Herzen eine freie Trauung, aber dann ist da dieser volle Terminkalender.

Da sind zahlreiche Gefühle, Erwartungen sowie unterschiedliche Lebensrealitäten, welche die Vorstellung einer persönlichen Trauzeremonie nahezu schwinden lassen.

Ihr fragt euch, was ihr in den Traugesprächen schon Spannendes zu erzählen hättet.

Schließlich gibt es da nicht allzu viel zu berichten.

Außer, dem alltäglichen Wahnsinn, bei dem von Perfektion nicht gerade die Rede ist.

Ich kann euch beruhigen: Genau das, macht eine Zeremonie aus – ihre Echtheit, ihre Vielfältigkeit, ihre Dynamik und Individualität.

Wertvolle Impulse

Ich kann gut verstehen, dass die Umsetzung in der Theorie immer einfach klingt, aber wisst ihr was!?

Das ist sie in der Praxis auch, wenn ihr eine erfahrene und verständnisvolle Traurednerin an eurer Seite habt.

Drum gebe ich euch einige Impulse an die Hand, die euch dazu verhelfen, euer Patchwork-Chaos mit euren Vorstellungen und Herzenswünschen in Einklang zu bringen.



1. Perfektion loslassen

Eine freie Trauung lebt von genau diesen Werten und nicht von den scheinbar perfekten Trauungen in den sozialen Medien. Sie lebt von ehrlichen Worten und echten Momenten.

Euer Patchwork-Leben darf samt all seiner Facetten sichtbar sein.


Mein Tipp: Versucht nichts zu verschönern. Erzählt von Höhen und Tiefen, von Umwegen und Neuanfängen.

Versucht loszulassen, denn das bringt Leichtigkeit. Auch innerhalb der Zeremonie.


2. Die Erfahrung einer Traurednerin

Patchwork braucht Empathie, Feingefühl, Erfahrung und klare Absprachen.


Mein Tipp: Schaut vorab, ob die Chemie zwischen euch und der Rednerin wirklich stimmt.

Eine gute, erfahrene Traurednerin gibt nicht nur hilfreiche Tipps, sondern übersetzt Gefühle, trifft klare Absprachen und setzt Grenzen.

Sie moderiert zwischen Herz und Realität.


3. Einbindung ohne Zwang für alle

Patchwork bringt viele Verbindungen mit Kindern, Ex-Partnern, neue, aber auch alte Geschichten und Gefühle mit sich.

Nicht jeder fühlt sich seiner neuen Rolle gewachsen.


Mein Tipp: Versucht, allen einen Platz zu geben, aber keine Rolle, die sich nicht gut anfühlt, zu erzwingen.

Anerkennung kann laut und leise sein.


4. Kommunikation schlägt Romantik

Romantische Vorstellungen kommen nicht immer mit den realen Herausforderungen überein.


Mein Tipp: Kommuniziert eure individuellen Erwartungen, bindet die Kinder ein und erspart euch Enttäuschungen, indem ihr euch folgende Fragen stellt:


  • Was ist uns wirklich wichtig?
  • Wer sitzt wo?
  • Sollen Ex-Partner eingebunden werden – wenn ja, wie?
  • Welche Rolle spielen die Kinder?


Unromantisch? Mit Sicherheit. Entspannt? Absolut.


5. Patchwork braucht keine gängigen Trausymbole

Gängige Rituale sind schön, aber passen sie auch zu euch?


Mein Tipp: Entwickelt gemeinsam mit eurer Traurednerin rituelle Handlungen, die zu euch und eurem Lebensstil passen.


  • Familienversprechen statt traditionellem Eheversprechen
  • Ein Zeichen der familiären Verbundenheit statt Ringwechsel / oder als Ergänzung hierzu
  • Ein Puzzle zusammensetzen / vervollständigen als ein Zeichen für Wachstum
  • Ein Ritual, welches euer Wachstum und eure Verbundenheit symbolisiert


6. Eine freie Trauung ist der Beginn, kein Happy End

Die Patchwork-Trauung ist nicht das Happy End, sondern, der gemeinsame Neubeginn.

Es geht um die Anerkennung des gesamten Patchwork-Lebens und, um den Wunsch des Wachstums miteinander.


Mein Tipp: Plant mit Offenheit, geht neue Wege und formuliert eure Trauung als Anfang.


Freie Trauung und Patchwork-Chaos - Traut euch


Eine freie Trauung und euer Patchwork-Chaos schließen sich nicht aus.

Im Gegenteil – sie ergänzen sich.

Nehmt euch entsprechende HochzeitsdienstleisterInnen zur Seite, die euch weitere Impulse geben und euch unterstützend zur Seite stehen.


Wenn ihr den Mut habt, ehrlich zu feiern, anstatt Perfektion vorzutäuschen, schafft ihr echte Momente, die für Leichtigkeit sorgen und wahrlich berühren.


Ihr schafft Erinnerungen für die Ewigkeit, die euch als Familie mehr denn je zusammenschweißen – heute, morgen und für immer.